Werner Ablass, Freund und Meister

 

 

In der Zeit von 2009 bis 2011 befand ich mich in einer intensiven Korrespondenz mit Werner Ablass. Damit verbunden war der tägliche Genuss seiner Abo Texte. Es war für mich ein Festmahl, ein Gaumenschmaus der ganz besonderen Art. Anfang 2011 sollte dieser intensive Austausch Früchte tragen. Ich weiß nicht die wievielte E-Mail es war, die ich ihm geschrieben hatte, aber diese Antwort von Werner traf mich bis ins Mark und sollte Folgen haben. Mein Leben wurde danach vollkommen auf den Kopf gestellt. Schlicht und ergreifend, weil es mich nach dieser Antwort von Werner nicht mehr gab, so wie ich dachte. Die Illusion meiner persönlichen Geschichte wurde vollkommen durchschaut und die Ich-Illusion löste sich auf. Übrig blieb etwas, das auf den Namen Reimund reagiert und weiterhin das für ihn Vorgesehene hier in diesem Lebenstraum erledigt. Die Vorstellung Reimund, der bis dahin so viel Beachtung geschenkt wurde, gab es einfach nicht mehr. Ich will hier nicht auf Einzelheiten eingehen, nur so viel: Ich glaubte zu diesem Zeitpunkt, dass spiritueller Fortschritt sich an dem messen lässt, wie man im täglichen Leben reagiert und sich verhält. Ich hatte es tatsächlich geschafft, wie ich glaubte, eine gewisse Zeit wenig bis gar nicht auf Dinge zu reagieren. Auch liest man dies ja in Büchern, „Reagiere nicht!“ usw. Und so schrieb ich Werner, dass da wieder einmal Wut und heftiges Reagieren von meiner Seite war. Werner antwortete mir: „Lieber Reimund, wenn die Wut sich so manifestiert, wie du es beschreibst, lebt sie sich selbst. Da sich niemand schuldig fühlt und auch kein Verursacher der Wut beschuldigt wird, verschwindet sie so, wie sie kam. Wer also sollte reagieren oder nicht reagieren?" Dies traf mich und löschte wirklich das letzte Konzept aus, das noch über mich selbst bestand. Ich saß da, keine Ahnung wie lange und lächelte vor mich hin. Was hatte ich mich doch angestrengt und geglaubt, 30 Jahre lang gestrampelt wie ein Verrückter und dabei gar nicht gemerkt, dass ich mir bei der ganzen Suche eigentlich nur selbst im Wege stand. Ja, der Sucher ist das Gesuchte, wie oft hatte ich diese Worte schon gehört und nun sah ich klar. Werner löschte mit diesem kleinen Wörtchen Wer?...alles aus. Er riss mir den Boden unter den Füssen weg und schlug mir, wenn man es mit Zen-Worten ausdrücken will, buchstäblich den Kopf ab. Das ganze Kartenhaus persönlicher Existenz fiel in sich zusammen und verschwand. Seitdem ist hier ein unerschütterlicher innerer Friede. Es ist der Frieden, der allem zugrunde liegt und eine Liebe, die mit Worten nicht beschrieben werden kann. Um es mit den Worten von Werner zu sagen „Entzaubert siehst du nur Liebe.“

Bis zu Werners körperlichem Tod am 23. Dezember 2018 verband uns eine tiefe Freundschaft als etwas, das mit keinem Wort zu beschreiben ist. Werner ist für mich das Ende der Suche gewesen und war eine Tür zu mir selbst. Wenn du in diesen Spiegel schaust und wirklich nichts mehr siehst, in diesen leeren Spiegel, welcher nichts mehr spiegelt, dann begegnest du dir selbst und du siehst...den wahren Meister...

 

 

 


Die folgenden Zeilen schrieb ich im August 2017, nach meinem Besuch bei Werner und Iris in Brackenheim.

 

Begegnung mit dem wahren Meister...

 

Ich schrieb mal einen Text in meinem Buch „Hallo!...Hier spricht das Leben“, da geht es darum, dass der wahre Meister der Tod ist. Der Text entstand nach dem Tod meiner Mutter 2016....

Dem wahren Meister zu begegnen und ihn anzunehmen, ist ein Geschenk, ein Geschenk von so unglaublichem Ausmaß, dass es einem den Atem verschlägt. Nichts ist mit dem vergleichbar, was der Tod mit einem macht. Er löscht dich und dein vermeintliches Leben vollkommen aus. Zurück bleibt nichts...nur dies..

Dies durfte ich nun auch in der Präsenz von Werner Ablass spüren. Bei einem Besuch im wunderschönen Brackenheim, einer herrlichen Gegend mit Wein-Anbau in Baden Württemberg, seinem Zuhause. Werner ist ein wahrer Meister, voller Liebe, doch auch stark und radikal. Er zieht dir den Boden unter deinen Füßen weg, den du glaubst zu betreten. Werner ist keine Person im herkömmlichen Sinne. Er ist ein lebender Toter, wenn man es so nennen will... Er redet, und das mit einer Stärke und Vehemenz, die ihres Gleichen sucht und doch ist er total still. Tote sprechen nicht... Das Leben spricht durch sie... Als Mensch, als Person gestorben...eine Offenbarung des Lebens, ja Gott an sich. Wer Werner an dem misst, was er zu sehen und über ihn zu wissen glaubt, hat nichts, aber auch gar nichts verstanden. Werner ist nicht zu verstehen oder gar zu begreifen. Er ist ein wahrer Meister. Dies wird nur denen offenbar, welche bereit sind und offen, seinem, wie er es nennt: „Yoga der Worte“ zu lauschen. Eine unglaubliche Erfahrung für jene, welche sich darauf einlassen können. Hier macht die Wahrheit, die sich in jedem seiner Worte offenbart, frei. Eine Wahrheit, offenbart von Gott selbst, durch diesen Körper, der sich Werner Ablass nennt. Was für eine Liebe, was für eine unglaubliche Stille... Ein Besuch bei ihm ist dermaßen erfüllend und erfrischend wie ein Bad im reinsten Wasser für den nach Abkühlung lechzenden Geist. Hier wird der Durst eines jeden Wahrheitssuchers und einer jeden Wahrheitssucherin gestillt, wenn sie denn bereit ist, genau hinzuschauen und sich nicht durch die Erscheinung und Verhaltensweise abschrecken lässt. Werner ist mit dem Verstand nicht zu begreifen, nur mit dem Herzen. Er ist wie ein Vulkan, ein Ausbruch der Wahrheit der alles mit sich reißt, was sich ihm in den Weg stellt und gleichzeitig so liebevoll wie eine Mutter die sich um ihr einziges Kind sorgt. Ich bin dankbar und voller Freude, dass er mit mir ist. Osho hat mal gesagt „Nun ist die Zeit gekommen, da ihr mich nicht mehr Meister nennen sollt, sondern euren Freund...ich wollte eh niemandes Meister sein“... Ja Werner, du bist natürlich mein spiritueller Meister, ganz klar. Aber viel mehr als das, ist es die Bruderschaft im Geiste und die damit verbundene Freundschaft, die uns verbindet.

Denn wer Augen hat, der sehe...mit dem Blick der Weisheit und nicht mit dem verklärten Blick eines Mind, welcher nichts anderes zu sehen vermag als seine eigene Verwirrung.

 

 

Werners Spirit lebt...

 

Hier mal etwas Grundsätzliches zum Tod von Werner Ablass. Werner ist in seiner körperlichen Form gegangen und somit ist keine Kommunikation mit ihm mehr möglich. Ein jeder von uns hatte seine Vorstellung von Werner und all diese Vorstellungen bediente er wie kein anderer. Werner war sich darüber bewusst, wer er war und er wusste auch, dass alles was sich (durch ihn) ausdrückte, genau so sein sollte wie es eben war. So ist es nun mal bei uns allen. Wir alle können nicht anders sein, als wir sollen. Viele trauern ihm nun nach, vermissen seine Texte im Abo und natürlich seine charismatische Art, auch hier auf FB. Ja, er hatte Ecken und Kanten wie kein Zweiter, er war halt zu 100 % Werner. Er war authentisch und echt wie kein anderer. Doch das worauf er verwies, war die Wahrheit in ihrer reinsten Form, klar wie der tiefste Bergsee und so rein, dass man auf diesen tiefen Grund schauen konnte, ohne das kleinste Hindernis. Werners Spirit lebt. Osho drückte es mal so aus: „Nach meinem körperlichen Verschwinden bin ich zwar in der Form nicht mehr hier bei euch, aber ich kann dann anders wirken.“ und genau dies ist es... Werner wirkt nun auf eine Art und Weise, die der denkende Verstand, in Form des persönlichen Denkers, einfach nicht fassen kann. Werner ist hier als das, was er schon immer war und immer sein wird. Für all jene die mit ihm verbunden waren oder die sich zu ihm hingezogen fühlen, wird eine Kraft entwickelt werden, die ihren eigenen Weg gehen wird. Ich bin mir ganz sicher, dass Werner diejenige zusammenführt, die ihn als Person gemocht haben, die seinen Spirit verinnerlichten und jene, die vielleicht erst jetzt auf ihn aufmerksam werden sollten. All jenen ruft er zu...“Ich hinterlasse euch meinen Frieden, der stabil und unerschütterlich ist, nehmt ihn, wenn ihr mögt.“ Über eine jede Vorstellung hinaus ist Werner aktiv als eine Blüte, die ihren Duft verströmt und für die, die sich ihrem Duft nicht entziehen können, wird es ein Sterben in Liebe sein. Ein totaler Tod und eine Auferstehung in Liebe. Unerschütterliche bedingungslos Liebe die allem zugrunde liegt...

 

Werners letztes Buch...

dieses Buch hat er u.a. auch mir gewidmet...



 
Diese Texte liebte Werner....

 

Die Schönheit der Vergänglichkeit

 

Heute wieder ein wunderschöner Tag im Wald... Die Vergänglichkeit begegnet einem auf Schritt und Tritt. Diese Stein-Skulptur sahen wir gestern an unserem Lieblingsplatz. Ein unbekannter Künstler hat sie errichtet. Heute war nichts mehr davon zu sehen... Alles erscheint und verschwindet wieder. Was bleibt? Was..? Vor Allem...was verändert sich nicht? Nur das, was keiner Veränderung unterliegt, ist wahrhaftig. Alles andere ist nur eine Erscheinung. Ein kurzes Aufblitzen, ein kurzer Augenblick und dann ist es schon wieder vorbei. Genau deswegen ist dieser eine Augenblick alles, was wir haben. Wir sind vor einer jeden Erscheinung. Wir sind das, worin alles erscheint. Jeder Augenblick, der sich offenbart...ist die Ewigkeit, weil er jenseits der Zeit ist. Der zeitlose Augenblick steht still....ist vollkommen bewegungslos. Bewegung gibt es nur in der Zeit, im Verstand. Der Verstand ist ein Kind der Zeit. Er hat einen Anfang und ein Ende ...wie alles andere auch. Im reinen Schauen des Augenblicks existiert keine Zeit. Dort gibt es weder Geburt noch Tod. Hier, im Schauen ohne einen Schauenden, im Hören ohne einen Hörenden...ist eine Stille, die der Verstand nicht ermessen kann. Hier kommt der Denker an seine Grenzen. Hier findet er keinen Halt mehr. Er kapituliert und löst sich auf. Nicht, dass er nicht mehr denken würde...weit gefehlt... Nein, er glaubt nur nicht mehr an sich selbst. Er erkennt sich selbst als den größten Witz. So denkt sich was immer sich denkt vollkommen ohne den persönlichen Denker. Was für ein himmlischer Genuss, da zu sitzen oder zu stehen, die Dinge zu betrachten...in der Gewissheit, nicht zu existieren, so wie ich gedacht habe. Was für eine Erlösung. Was für ein Frieden. Persönliche Täterschaft bringt immer Unfrieden und Probleme. Ist der persönliche Täter jedoch als Witzfigur entlarvt worden, gibt es nichts mehr, was diesen Frieden stören könnte. Der Verstand mag schmettern, was immer ihm in den Sinn kommen mag...

Wen kümmert es? Wen...?

 


Lieben ist sterben...

 

Wenn Du nicht bist...ist die Welt in Frieden.

Absolute Abwesenheit von allem, was begrifflich ist. Wenn wir alles vom Standpunkt des Todes aus betrachten, sind wir frei. Frei von einer illusorischen Welt, die uns eine Geschichte erzählte, welche wir für die unsrige hielten. Die Illusion eines individuellen Lebens, der Traum der Individualität endet mit der Erkenntnis der eigenen Nicht-Existenz.

Dies ist Liebe pur...

 Stille...

 

Stille ist der Augenblick, wenn es keinen Denker mehr gibt, welcher über die Stille, die er erlebt hat, nachdenkt. Stille hat keinen Anfang und kein Ende, sie ist. Die Stille hört nicht auf, wenn geredet wird oder gedacht wird. Sie ist immer... Das was untätig ist in der Tätigkeit, das was ewig ist im Wandel ist Stille. Stille ist ein Zustand vollkommenen Seins...in dem alles bezeugt wird ohne einen Beobachter. Alles was sich wandelt, darf sein.

Hier die vollkommene Stille und dort der ewige Wandel...die Welt. Das Eine ist alles, es beinhaltet alles. Es gibt nur das Eine. Diese Welt hat keine eigene Existenz aus sich heraus, denn die Stille kann ohne die Welt existieren...aber die Welt nicht ohne ihre Substanz....die Stille...

Wahre Liebe...

 

Wahre Liebe ist eine Liebe, die nicht gesucht wird; sie findet sich selbst, wenn es an der Zeit ist.

Es kann nichts erreicht oder gemacht werden - von wem auch?

Die Dinge geschehen wie sie geschehen sollen.

Alles kommt zu seiner Zeit. Der sinnlose Kampf des Verstandes, irgend-etwas ändern oder haben zu wollen was nicht ist, ist ein imaginäres Hindernis, das keinerlei Bedeutung hat. Wenn du den Verstand nicht beachtest und einfach nur zuschaust, findet die Trennung statt...und alles wird so geschehen, wie es geschehen soll.

Ich liebe dieses Leben, weil es kümmert sich nicht um mich....

Leben ist einfach und immer.

Es lebt sich selbst.....



 

Liebe...

 

Niemand findet sich, niemand verliert sich... Zwei sind nicht füreinander bestimmt, weil es sie noch nie gab. Es sieht nur so aus... Egal wie lange ich dir in die Augen schaue, irgendwann wirst du nicht mehr sein...in deiner körperlichen Form. Was dann? Was mit mir sein wird, weiß ich nicht...denn ich kenne nur dies hier, diesen Augenblick. Gerade deshalb liebe ich dich so sehr. Was soll ich denn machen? Ich kann doch nichts anderes, als lieben...und dieses Lieben findet sich, erinnert sich. Immer wieder ist es dieses Suchen nach sich selbst und wenn es gefunden wird...nichts. Noch nicht einmal...nur dies...

Trennung oder keine Trennung...für wen? Person oder keine Person...für wen?

Das Leben lebt sich ohne einen persönlich Liebenden...

Da ist nur Liebe.

Doch Liebe ist auch nur ein Wort...

 

 

"Es gibt keinen Abschied, nur Liebe"

Werner Ablass


♥ LOVE ♥